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Große Resonanz bei "Europäischen Strategietagen" in Baden-Baden (09.06.2004)

Lothar Späth mahnt eine europäische Initiative für innovative Produkte an.
Ehemaliger Ministerpräsident stellt neue These zu Europa vor.

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth sieht die größten wirtschaftlichen Chancen für das neue Europa in einer Initiative zur Entwicklung innovativer Produkte. Bei den "2. Europäischen Strategietagen Baden-Baden" betonte Späth: "Europa als Ganzes muss im Wettbewerb mit den USA und Asien etwa in der Medizin eine führende Rolle zurückerobern." Späth sieht auch bei Satelliten-Navigationssystemen wie "Galileo", bei der Entwicklung von neuen Umwelttechnologien und modernsten, komplexen integrierten Verkehrssystemen zukunftsträchtige Felder für Europa.

Späth und Kiener auf den Strategietagen

Der frühere Spitzenpolitiker fordert eine "Revolution der Ideen". Auf diese Weise werde Europa in den nächsten zehn Jahren wieder ganz vorne in der Weltgemeinschaft mitspielen. Europa habe in vielfacher Weise große Vorteile gegenüber Asien und Amerika. Späth: "Wir müssen ernst machen mit dem Beschluss der europäischen Regierungschefs vom März 2000 in Lissabon, Europa zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt bis 2010 zu machen. Die Hälfte der Zeit haben wir bislang mit Diskussionen verbracht, jetzt müssen wir handeln."

Initiative der InFoScore-Gruppe in Baden-Baden

Die vom Baden-Badener Finanzdienstleister InFoScore initiierten und gesponserten Strategietage stießen bei rund 250 Teilnehmern vorwiegend aus der nationalen und internationalen Finanzwelt auf große Resonanz. Im Mittelpunkt standen Strategien zur Erschließung neuer Märkte für deutsche Unternehmen nach der EU-Osterweiterung. Vor allem die Chancen für mittelständische Firmen wurden diskutiert.

Lothar Späth sieht auf Deutschland und Europa erhebliche Schwierigkeiten zukommen: "Der globale Wettbewerb, dem Europa und seine nationalen Volkswirtschaften ausgesetzt sind, reduziert sich im Wesentlichen auf den Standortwettbewerb, um Arbeitsplätze und die dazu erforderlichen Kapitalinvestitionen. Die Länder Westeuropas, vor allem die großen Industrienationen Deutschland, Frankreich und Italien werden wegen ihres hohen Lohnniveaus und ihrer umfassenden kollektiven Sozialsysteme viele Produktionsarbeitsplätze nach Osteuropa und Asien verlieren."

Späths Europa-Thesen erstmals präsentiert

In seinem erstmals der Öffentlichkeit vorgestellten Thesenpapier zur wirtschaftlichen Entwicklung Europas spricht Späth von einer "arbeitsplatzbezogenen Deindustrialisierung" - immer mehr Produkte werden von immer weniger Menschen hergestellt. Dieser Strukturwandel werde über Jahre hinweg die europäischen und vor allem die deutschen Wachstumsraten sehr niedrig halten. Das Wachstum werde in Deutschland nicht einmal mehr ausreichen, um die altersbedingten und durch die strukturelle Arbeitslosigkeit verursachten zusätzlichen Staatsausgaben zu finanzieren. Späths Position zu Europa soll noch im Laufe des Jahres als Buch erscheinen.

Der frühere Jenoptik-Chef mahnt einen dringend notwendigen Reformprozess an, der eine gewaltige Flexibilität des Arbeitsmarktes verlange. Einschränkungen der sozialen Sicherungssysteme werden ebenso unvermeidlich wie der umfassende Abbau bürokratischer Schranken. Späth regt auch eine Initiative an, in Deutschland wieder vier Wochenstunden mehr zu arbeiten. Dies könnte ungeahnte Impulse für die Volkswirtschaft auslösen und ein Beitrag zum Abbau des Staatsdefizits sowie zum Ausgleich der Sozialkasse sein. Späth spricht auch von einem "Steuerwettbewerb" in Europa:" In Deutschland müssen die Investitionen in die Bildungs- und Forschungsinfrastruktur zu Lasten des Konsums gewaltig gesteigert werden. In der Logik dieser Entwicklung liegt, dass eine Umschichtung der Besteuerung von Arbeits- und Kapitalerträgen stärker auf Konsumsteuern, wie etwa die Mehrwertsteuer erfolgen wird", so Späth.

Generalsekretär des Europarates fordert Reformen

Auch der Generalsekretär des Europarates in Straßburg, Walter Schwimmer forderte bei den Europäischen Strategietagen Baden-Baden "umfassende Reformen der politischen Strukturen". Schwimmer spricht dabei vor allem von den Ländern in Mittel- und Osteuropa. Um wirtschaftliche Kräfte zu mobilisieren und Investitionen anzuziehen, seien von der funktionierenden lokalen Selbstverwaltung bis zur Rechtssicherheit wichtige Voraussetzungen zu schaffen. Der Europarat habe auf diesem Feld seit 15 Jahren Pionierarbeit geleistet, um die demokratischen und rechtlichen Reformprozesse in den Übergangsländern von Osteuropa voranzutreiben.

Eine klare Absage erteilte Schwimmer Populisten und Nationalisten in Europa. "Wir können uns keine neuen Gräben leisten, eine Trennlinie zwischen Armen und Reichen würde neue Ungerechtigkeiten und damit unweigerlich Konflikte herbeiführen." Der Generalsekretär mahnte ein "gesamteuropäisches Verantwortungsbewusstsein" an. Schwimmer: "Für mich gibt es nur ein Europa für alle und mit allen." Die wirtschaftlichen Chancen im erweiterten Europa hält Schwimmer für "riesengroß".

Rürup: Arbeitslosenquote könnte auf drei Millionen sinken

Bert Rürup, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung warnte in Baden-Baden vor zu hohen Erwartungen bei den wirtschaftlichen Chancen durch die EU-Erweiterung. Deutschland habe weniger eine Konjunkturschwäche, als ein Standortproblem. Das deutsche Steuersystem stehe im weltweiten Vergleich als eines der schlechtesten und ineffizientesten da. Wenn an diesen strukturellen Problemen hart gearbeitet werde, habe Deutschland durchaus Chancen. Bis Ende des Jahrzehntes könnte die Arbeitslosenquote dann sogar auf bis zu drei Millionen Menschen zurückgeführt werden.

Als weitere Referenten bei den Strategietagen in Baden-Baden sprachen unter anderen Klaus Mangold (Executive Advisor of Daimler-Chrysler for Central an Eastern Europe and Central Asia), Lutz Raettig, Vorstandsvorsitzender Morgan Stanley Bank AG, Hans-Jörg Hager, Vorstandsvorsitzender Schenker AG. Tagungspräsident war Ernst-Moritz Lipp von der Universität Frankfurt.

InFoScore auch in Polen erfolgreich

InFoScore gilt als eines der europaweit führenden Unternehmen auf dem Sektor Informationsmanagement, Forderungsmanagement und Scoringsysteme. Die InFoScore-Unternehmensgruppe hat seit 1995 mehr als 700 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Gruppe beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter und verzeichnete 2003 einen Gesamtumsatz von 133 Millionen Euro.

Die Unternehmensgruppe arbeitet für mehr als 1.000 Kunden aus dem Handel und der Finanzwirtschaft sowie für Dienstleistungs- und Versorgungsunternehmen (Telekommunikation, Verkehr, Energie). InFoScore ist in 24 spezialisierten Einzelunternehmen in Deutschland, Frankreich, Irland, Österreich, Polen und der Schweiz vertreten.

InFoScore baut unterdessen sein europäisches Engagement weiter aus und ist seit März 2004 auch in Polen aktiv. Als eines der ersten ausländischen Unternehmen erhielt InFoScore die Genehmigung für den Betrieb einer Auskunftei für seine Warschauer Tochterfirma.

Durch die Expansion in das größte osteuropäische EU-Beitrittsland setzt die InFoScore-Gruppe die Reichweite ihrer erfolgreichen Dienstleistungen weiter fort. Das Kerngeschäft in Polen wird die Auskunftei abbilden, die negative als auch positive Konsumenten- und Businessdaten speichern sowie beauskunften wird. "Wir sehen im osteuropäischen Markt ein großes Zukunftspotenzial" unterstreicht InFoScore-Gründer und -Inhaber Sigmund Kiener auch im Blick auf die EU-Osterweiterung.

Die 2. Europäischen Strategietage Baden-Baden sind nach Einschätzung von InFoScore-Chef Sigmund Kiener äußerst erfolgreich verlaufen: " Dieser Kongress mit erstklassigen Rednern und Teilnehmern hat sich etabliert. Wir wollen die "Europäischen Strategietage" zu einer dauerhaften Einrichtung in Baden-Baden ausbauen."

Mittwoch, 9.06.2004

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